Qmilch Bio-Milchfasern

© Qmilch GmbH

Textilfasern, hergestellt aus Milch: Was auf den ersten Blick utopisch scheint, ist der Mikrobiologin und Designerin Anke Domaske schließlich gelungen. Verschiedene Preise sind ihr für ihre innovative Entwicklung bereits verliehen worden. Kein Wunder, denn die Milchseide des Hannoveraner Start-up-Unternehmens Qmilch ist zukunftsweisend in jeder Hinsicht.

Vorteile der Milchfaser

Hergestellt aus Milch, zählt die Milchfaser zu den nachhaltig produzierten Textilien. Wer nun allerdings die Verwendung von Lebensmitteln in der Textilproduktion für bedenklich hält, der kann beruhigt werden, denn für die Herstellung der Milchfasern werden keine Nahrungsmittel vernichtet. Verwendet werden lediglich Abfallprodukte, die bei der Käseherstellung ohnehin anfallen. Alternativ dazu kommt auch solche Milch zum Einsatz, die für den menschlichen Verzehr nicht geeignet ist. Hierzu zählt beispielsweise die sogenannte Kolostalmilch gerade kalbender Kühe, die nicht zur Produktion von Lebensmitteln genutzt werden darf. Dieses Rohmaterial wird zum sogenannten „technischen Kasein“ weiterverarbeitet, das als pulverförmiges Milcheiweiß schließlich die Basis der Milchfaser darstellt. Abgesehen vom reichlich zur Verfügung stehenden Ausgangsrohstoff ist die Herstellung der Milchfaser überaus umwelt- und ressourcenschonend, denn zur Produktion eines Kilos der Textilfaser werden lediglich zwei Liter Wasser benötigt.

Eigenschaften der Bio-Milchfasern von QmilchSo umweltverträglich die neuartige Faser also hergestellt wird, so verträglich ist sie auch für die Haut. Glatt und seidig im Griff, begeistert das Gewebe aus Milcheiweiß durch ausgezeichnete Trageeigenschaften. Reißfest, extrem form- und farbbeständig sowie außerordentlich schnell trocknend stellt die Milchfaser sowohl die universelle Baumwolle als auch die hochwertige Seide in den Schatten. Spezielle Feuchtigkeitseigenschaften der Faser ermöglichen zudem eine hautfreundliche Temperaturregulierung und verhindern gleichzeitig die Vermehrung schädlicher Keime und Bakterien. Das Gewebe der Milchproteinfasern enthält darüber hinaus bis zu 18 verschiedene Aminosäuren, die der Hautalterung vorbeugen und das Zellwachstum unterstützen.

Am Körper getragen, regt dieses Gewebe somit die Durchblutung an und wirkt dem Juckreiz trockener und empfindlicher Haut entgegen. Aus der innovativen Textilfaser hergestellte Kleidung ist somit besonders für Allergiker oder Menschen mit Neurodermitis interessant. Dabei müssen die entsprechenden Kleidungsstücke und Textilien noch nicht einmal zu 100 Prozent aus der natürlich hergestellten Faser bestehen. Ein Anteil von circa 20 Prozent reicht vollkommen aus, um die positiven Eigenschaften des Materials zu erhalten.

Doch nicht nur für die Bekleidungsindustrie ist die neuartige Faser von Interesse. Aufgrund ihrer antibakteriellen Eigenschaften ist auch eine Anwendung in Kosmetik, Medizin, Biologie und Membrantechnik vorstellbar, und selbst der Automotive-Bereich zeigt sich interessiert. Denkbare Produkte in diesen Bereichen wären unter anderem antibakterielle Heimtextilien, wärmeisolierende Autositzbezüge, kühlende Bettwäsche und antibakterielle Membranen in der Medizin.

Zukunft der Milchfaser

Derzeit erfolgt die Produktion der innovativen Fasern noch im bescheidenen Rahmen. Hergestellt im Bremer Faserinstitut FIBRE, werden stündlich circa zwei Kilo Fasermaterial gewonnen. Das Kasein und seine natürlichen Begleitrohstoffe werden dazu erhitzt, und ähnlich wie Kunstfasern auch, durch eine Düse gepresst und zu Fäden gezogen.

Ziel der Qmilch-Chefin Anke Domaske ist für die nächste Zeit eine Stundenproduktion von 70 Kilogramm, die zukünftig in einer eigenen Produktionsstätte erfolgen soll. Das Qmilch-Firmenteam wird dazu von sechs auf elf Mitarbeiter anwachsen. Für die nächsten fünf Jahre ist eine Produktionssteigerung auf 560 Tonnen geplant. Eine erste Modekollektion soll im Frühjahr 2012 erscheinen. Weiterführende Informationen über Unternehmen und Produkt bieten der Qmilch-Internetauftritt www.qmilk.eu sowie die Facebook-Seite von Qmilch. Dort finden sich auch einige Videos zum Unternehmen.